Polly ~ Wahrheit oder Traum?

Ist dies das Wesen?

Vor nicht allzu langer Zeit, ist im Bereich der verborgenen Schlucht ein Wesen in der Nähe des Wasserfalls mit gar merkwürdiger Gestalt erblickt worden. Sofort wurde in der Bibliothek des Königshauses nach Aufzeichnungen über eine solche Erscheinung gesucht. Es war nichts zu finden. Gesucht hat man nach einem Wesen mit dem Oberkörper einer wunderschönen jungen Frau und dem Unterkörper einer Ziege.

Man erinnerte sich an die historischen Aufzeichnungen der alten Pfarrei und suchte dort nach einem Hinweis auf diese Gestalt. War sie nun ein gutes Wesen oder war sie, man traut sich kaum es auszusprechen, ein Wesen des Teufels? Nach langem Suchen wurde man fündig. In einer Geschichte des ersten frommen Mannes, der die Insel je betreten hatte schien so ein Fabelwesen aufgetaucht zu sein.

So notierte im Jahre des Herrn 904 der Priester Thomas Rodin Folgendes:

Carima am zwanzigsten Tag des zweiten Monats Anno 904

Vor einigen Tagen bin ich auf der Insel angekommen. Die Insel hat eine sehr üppige Vegetation. Außer großen Wäldern und ein paar Bauernhöfen ist nichts auf der Insel zu finden, was von Menschenhand gebaut wurde. Jedoch erzählt man sich von allerlei Fabelwesen auf der Insel. Vor Allem ein kleines Wesen, halb Mensch, halb Ziege schien die Bauersleute in Angst zu versetzen. Es wird davon gesprochen, dass dieses Wesen bösartig sei und den Menschen in bösen Träumen erschien und viele des Nachts von schrillen Geräuschen wach wurden. Nur wenige trauten sich in die Nähe des Wasserfalls in der großen Schlucht. Merkwürdig war, jedes Mal wenn die Bauern in den Wald zogen, um frisches Feuerholz zu holen, genau dann wurden diese Bauern in der Nacht von schlimmen Albträumen heimgesucht. Es schien, als ob sich der Wald gegen das Abholzen wehren würde.

Da mir der Herr die Gabe der Kräuterkunde gab, wollte ich sie zum Nutzen von Mensch und Vieh auf der kleinen Insel einsetzen. Einen Medicus gab es nicht, so machte ich mich auf, die Insel nach Heilkräutern zu erforschen. Deren waren sehr viele auf der Insel zu finden, war sie doch über Jahrtausende unbewohnt von Menschen. Niemand hatte dort, bevor die ersten Siedler kamen, auch nur einen Baum gefällt.

Ich ging auch in den Wald und stieg durch einen Baumstumpf in den Tunnel zu der großen Schlucht ein. Man hatte mich vor diesem Wesen gewarnt. Dort würde es hausen. Das Ende des Tunnels wurde von einem hellen Lichtschein bestrahlt. So fand ich auch sogleich den Ausgang. Ich hörte den wunderbaren Gesang vieler, mir vorher unbekannter Vögel, aber…… ich hörte auch eine Melodie von einer Flöte. Magisch zog mich diese Melodie in Richtung eines Wasserfalls. Dort saß sie!

Ich traute meinen Augen kaum. Eine kleine Person, man hätte sie für ein Kind halten können, wären da nicht die Rundungen einer schönen Frau zu sehen gewesen, saß auf einem Stein und spielte melodische Töne wie ich sie nie zuvor gehört hatte. Vorsichtig näherte ich mich der Person. Dann sah ich das Unglaubliche! …….

Verdeckt von einem kleinen Busch sah ich dass der Unterkörper dieser jungen Frau wie die Hinterbeine einer Ziege aussah. Nie zuvor hatte ich so etwas gesehen. Den Geschichten der Bauern wollte ich keinen Glauben schenken, aber da saß sie vor mir. Jedoch ganz anders wie die Bauern sie mir als bösartiges Monster beschrieben, war sie wunderschön anzusehen. Und statt der schrillen Geräusche hörte ich Melodien die schöner waren als alles was ich je gehört habe.

Ich versteckte mich hinter einem großen Busch wollte dem Flötenspiel zuhören und das Wesen beobachten. Doch dann brach das Wesen ab.

Es schaute mir direkt in die Augen und sagte in meiner Sprache und mit einer hellen deutlichen Stimme: „Du musst dich nicht vor mir verstecken. Ich habe dich längst entdeckt.“ Ich versuchte etwas zu sagen aber es kam nur ein Stottern heraus: „Wer bist Du?“ konnte ich in einem einigermaßen verständlichen Ton herausbringen. Die Antwort die ich darauf erwartete, kam nicht. Stattdessen schaute mich das Wesen nur an. Ich wurde immer nervöser.

Nun sprach das Wesen wieder: „Was willst Du hier? Bist Du auch gekommen um die Bäume zu töten und zu verbrennen?“

Ich hatte mich wieder etwas gefangen und stammelte, dass ich auf der Suche nach Kräutern bin um Mensch und Tier zu heilen und vor Krankheiten zu bewahren. Als ich dies sagte, fing sie wieder an zu spielen. Es schien ihr gefallen zu haben. Nach kurzem Flötenspiel brach sie wieder ab und sprach zu mir: „Du bist ein guter Mensch. Ich spüre dass Du nur Gutes mit Deinem Tun bezwecken willst. Nimm dir was Du brauchst. Komme, wann immer du Kräuter brauchst hierher und bediene Dich, es sei Dir erlaubt. Deinem Volk sage jedoch, dass sie nie wieder ungefragt in diesem Wald Bäume töten dürfen. Sie werden übelste Träume haben wenn sie sich nicht an meine Anweisungen halten.“  Dann sprang sie fort und verschwand im Wasserfall.

Ich sah sie nicht mehr und sammelte noch einige Kräuter, die dort in üppigster Form wuchsen und machte mich auf dem Heimweg. In der Nacht träumte ich von diesem Wesen. Aber es waren keine Albträume, sondern ich träumte, dass ich im Paradies sei. Am Morgen wachte ich auf, so stark wie nie zuvor.

Ich machte mich auf ins Dorf und erzählte dies den Bauern. Sie lachten mich aus und wollten es mir nicht glauben Bewaffnet mit Mistgabeln und Äxten wollten sie sich auf dem Weg zur Schlucht machen um dieses vermeintliche Monster zu besiegen. Ich konnte sie nur mit größter Mühe davon abhalten. So machte ich mich dann mit einer kleinen Gruppe von vier Leuten erneut auf den Weg zur Schlucht.

Als ob das Wesen auf uns gewartet hatte, saß es auf seinem Stein am Wasserfall. Wir näherten uns sehr langsam und warteten darauf, dass das Wesen zu uns sprach. Nach einer Weile drehte es sich auf uns zu und fing langsam und mit ruhiger Stimme an zu reden:

„Mein Name ist Polly und ich bin ein Faun. Seit vielen Monden lebe ich hier in dieser Schlucht und sorge für die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier. Ihr Menschen seid hier in unseren Wald gekommen. Ohne Rücksicht auf die Lebewesen, die hier in diesem Wald seit vielen Jahrhunderten wohnen, habt ihr die Bäume getötet und Euch genommen was euch nicht gehört, voller Gier immer mehr weggenommen. Das hat euch die bösen Träume gebracht. Eure eigen Gier machte euch diese Träume und lies mich euch als Monster erscheinen. So hat sich der Wald gegen euer Tun gewehrt. Dieser Mann hier, (Dabei zeigt sie auf mich) ist der erste bei dem ich erkennen konnte dass seine Gedanken frei von Habgier sind. Er sollte euch aufzeigen, dass die Natur gerne gibt, aber dafür auch gut behandelt werden will. Haltet euch daran und wir werden gut nebeneinander leben können.“

Sprach´s und verschwand.

Alle meine Begleiter und auch ich waren sehr beunruhigt und doch auch beruhigt zugleich. So verließen wir die Schlucht wieder und erzählten es den anderen Bewohnern des Dorfes. Von Zeit zu Zeit brachten die Bewohner von nun an kleine Gaben dort an den Wasserfall. Kein wildes Tier hat seitdem die Hühner, Schafe und Kühe der Bauern gerissen. So scheint Polly auf die Natur acht zu geben.

Lebt es unter uns?

Soweit die Geschichte des Priesters Thomas. Sehr lange hat man nichts mehr gesehen. Dieses Wesen war wie vom Erdboden verschwunden bis………. ja, bis heute. Man hat es wieder gesehen: genau dort am Wasserfall saß es und spielte Flöte. Ist sie den Menschen noch wohlgesonnen oder werden wir von nun an wieder mit Albträumen heimgesucht? Vielleicht bist Du es, der Polly wiederfindet! Ist es überhaupt Polly, der Faun von damals? Wie gefährlich ist sie für uns Menschen? Finde es heraus!

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