Samyaa Savira ~ Gauklerin, Wirtin und ein Geheimnis

Willkommen in der bunten und aufregenden Welt von Samyaa, lauscht und höret genau zu!

Tief im Süden der Welt wurde ich in einer Vollmondnacht im ersten Monat des Jahres geboren.

Dreckspatz Samyaa

Diese Nacht zeigte alles, was die Wettergötter zur Verfügung hatten – Wind, Sturm, Regen, Hagel, Schnee – Eis auf den Dächern und Straßen. Meine Eltern wunderte dies nicht, denn schon im Bauch meiner Mutter war ich der reinste Orkan.

Mein Vater biß die Nabelschnur durch und wickelte mich in ein frisches Linnen, wie er es bei all seinen Kindern getan hatte und legte mich in den Arm meiner Mutter, wo ich sofort das Schreien anfing und furchtbar mit den Händen herumfuchtelte. Meine Mutter lächelte nur und gab mir ihre Brust. Sie sah in meine smaragdfarbenen Augen und schaute meinen Vater an und sagte: ich nenne sie Samyaa.

Ich wuchs in meiner großen Sippe auf, wo jeder auf jeden achtete und bereits mit Zwei Monaten bekam ich die ersten kleinen Gauklerlatschen. Als ich krabbeln konnte zog ich mich an den Seilen hoch, welches mein Schaukelfell hielt, und meine Eltern schauten mich stolz an.

An meinem Ersten Geburtstag stand ich schon bei meinem Vater auf den Schultern und hielt die Hände hoch und mein Vater strahlte alle an, wenn wir über die Märkte zogen, war er doch sehr stolz auf sein kleines Mädchen.

Ich schaute mir alles von meinen größeren Geschwistern ab und gab es an die kleineren weiter. Nie wurde ich zu etwas gezwungen und ich hatte eine herrliche Kindheit bei meiner Sippe.

Wir zogen von Dorf zu Dorf und zeigten auf den bunten Märkten unsere Künste. Ich konnte schon mit bunten Kugeln sehr gut jonglieren, auf dem kleinen Einrad fahren und damit über Hindernisse springen. Ich schnitze mir aus einem kleinen Stückchen Holz eine Flöte und ging lange Zeit meiner Sippe damit auf die Nerven, bis ich wunderbare Weisen spielen konnte.

Viele Monde waren ins Land gegangen und der Regen blieb aus und es herrschte eine Hungersnot im Süden der Welt. Meine Sippe hatte nicht mehr genug zu essen und die Leute auf den bunten Märkten konnten uns keine Kupfer mehr geben. Wir gruben Feldfrüchte aus dem Boden, hoben heruntergefallenen Äpfel auf und legten Fallen, damit wir Fleisch hatten. Aber die Sippe war zu groß, das wir alle satt wurden.

Ich war zu einer ansehnlichen jungen Frau herangewachsen und beherrschte alle Künste. Ich sah meine Geschwister hungern und meine Eltern waren verzweifelt und gaben schon drei meiner Brüder in die Mienen, damit ein wenig Geld herein kam. Aber es reichte hinten und vorne nicht.

Ich beschloß in die Welt hinaus zu gehen, um zu helfen und meinen Eltern Geld zu senden. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von meiner Sippe und packte mein Bündel zusammen, hängte mir meine Kalika um, sprang auf mein Einrad und führ damit in die nächste größere Stadt. Dort trat ich am Markt auf und viele Kupfer fielen in meine Schale.

Aber es gab auch viele Diebe und so manches Geld verlor ich wieder. Ab dieser Zeit habe ich mir angewöhnt alles in einen Beutel zu packen, welcher unter meinem Rock versteckt ist. Auch sind meine Gauklerlatschen dazu geeignet, deswegen wird man mich immer mit diesen Schuhen sehen…achtet mal darauf!

Es war Zeit weiterzuziehen, da die Bürger in der Stadt müde meiner Künste wurden. Dort hörte ich von einer reichen Stadt, die Carima heißen soll und dort soll es eine freundliche Königin geben, die gerne Gaukler um sich hat.

Viele Monde war die Stadt entfernt und irgendwann sah ich von der Ferne ein wunderschönes Schloß leuchten, von dem die Bürger immer sprachen. Ich war kurz vor Carima. Ich übernachte nochmals in einer Scheune und am nächsten Tag wusch ich mich und zog meine besten Gewänder an. Stolzen Schrittes trat ich durch das Stadttor von Carima und war erstaunt über den Reichtum.

Eine Wache begleitete mich zu der Königin Linde zu Carima und ich verbeugte mich tief vor der Hoheit. Ohne Furcht fing ich das Tanzen an und ließ die Saiten meiner Kalika dazu klingen. Ich sah genau, wie ihre Majestät mit den Füßen wippte und auch mal freudig in die Hände klatschte. Sie rief mich zu sich und sah mich lächelnd an. Ich machte einen tiefen Knicks und sie nahm ihre Hand, berührte mein Kinn und gab mir zu verstehen, daß ich aufstehen solle. Sie teilte mir mit, daß ihr meine Vorstellung gut gefallen hätte und sie würde sich freuen, wenn ich in Carima mich ansiedeln würde.

Sie wies mir ein kleines Häuschen zu und ich rollte mein Fell auf, legte meine Instrumente vorsichtig auf den Boden. Vor der Stadtmauer fand ich einen alten Tisch und einen schäbigen Stuhl. Ich pflückte ein paar Wiesenblumen und stellte sie in eine alte Flasche und mein Häuschen sah schon besser aus.

Am nächsten Morgen ging ich auf den Marktplatz und dort gab es viele Händler und auch eine verlassene, heruntergekommene Taverne. Ich schaute mir alles an und nahm mir vor bei der nächsten Audienz nach der alten Taverne zu fragen. Hatte ich doch schon Übung im Umgang mit besoffenen Matrosen, Bauern und so anderen Gesindel, welches sich in Tavernen aufhält.

Solange zeigte ich immer mehr von meinen Künsten und mein Beutel füllte sich und ich konnte das erste Geld zu meinen Eltern in den Süden bringen lassen. Es war ein gutes Gefühl und als die Königin mir erlaubte die alte Taverne wieder herzurichten, war ich überglücklich. Der Finanzminister, Herr Primus, steckte mir noch einen Beutel Silber zu und ich konnte die Zimmermänner beauftragen neue Tische und Stühle zu zimmern und dann kam die Eröffnung des „Fröhlichen Bechers“ am Marktplatz. Viele kamen dazu und am Ende zog mir der volle Beutel fast den Rock zu Boden.

Sehr viele Monde bewirtschaftete ich die Taverne, ich stellte Schankmaiden ein, die aber immer wieder wegliefen, weil sie wohl lieber heiraten wollten oder einfach nur faul waren.

Eines Tages stand eine dunkelhäutige junge Frau in der Taverne mit bunten Kleidern und fragte nach einer Anstellung. Sie würde gerne das Gaukeln lernen, weil sie mich schon lange beobachtet hatte und sie wollte auch Einrad fahren. Sie war mir gleich sympathisch und so gesellte sie sich zu mir und ich lernte ihr alles, was ich gelernt hatte. Amira war sehr geschickt und auch in der Taverne konnte sie hart arbeiten. Ich war nicht mehr alleine und das war sehr schön für mich. Sie ist auch heute noch wie eine Schwester für mich.

Samyaa, die Gauklerin

Im Herbst Anno 1490 zogen dicke Wolken über die Stadt und es regnete Tag und Nacht. Das Wasser stieg immer mehr und es überflutete den Marktplatz und auch in der Taverne stand das Wasser wadenhoch. Nur mit Booten konnten wir noch fahren. Eine Hungersnot ereilte das Land und viele verstarben an Hunger oder ertranken im Wasser. Es war furchtbar. Langsam ließ der Regen nach und das Wasser ging zurück. Geblieben war der Schlamm und Dreck auf dem Marktplatz und in der Taverne. Sie ächzte unter den nassen Hölzern, auf denen sie gebaut war. Wir schaufelten viele Tage den Schlamm weg und als es einigermaßen wieder sauber war kam Schnee und Eis. Kein Essen, nur faules Wasser und der Adel ließ das Volk hungern. Manchmal schlichen wir in der Nacht in die Schlossküche und stahlen Essen und Trinken und teilten alles im Volk auf. Es kamen kaum noch Gäste in die Taverne und ich konnte kein Geld mehr zu meinen Eltern senden. Das Volk wurde unruhig und aufsässig, es wurde gestohlen und gemordet wegen ein paar Krümel Brot oder wegen ein wenig Trockenfleisch.

All das machte dem Adel nichts aus, sie schoben ihre dicken Bäuche vor sich her und lachten über das Volk, welches hungerte.

Eines Tages stand ich auf dem Marktplatz und sah dunkle Rauchwolken, welche aus den Schlossfenstern herausquollen und aus anderen Fenstern sah man Flammen lodern. Das Schloß der Königin war angegriffen und eingenommen worden. Es brannte bis auf die Grundmauern ab. Man munkelte, daß man Wesen sah, die dunkel gekleidet waren. Genaues war nie herauszubekommen.

Plötzlich tat es einen furchtbaren Schlag und die Taverne legte sich langsam zur Seite und krachte vollkommen zusammen. Retten konnten wir nichts mehr. Zum Glück hatte ich alles, was mir lieb war schon in ein anderes Haus gebracht als das Hochwasser kam.

Aber wo waren die Königin, die Herzogin, die Prinzessin und die Bediensteten? Konnten alle fliehen oder waren sie verbrannt?

Amira und ich schauten uns an und beschlossen, daß wir in so einer Stadt nicht bleiben wollten und wir machten uns auf den Weg, um die Hoheiten zu suchen…

…unterwegs trafen wir auf andere Bürger von Carima, die uns erzählten, daß die Hoheiten sich retten konnten und im Exil leben – die Stadt heißt: Carima-Stadt.

Voller Freude machten wir uns auf den Weg und kamen dort erschöpft an.

Was wird uns wohl erwarten in dem neuen Land? Wer wird dort alles sein, werden wir wieder dort gaukeln können und eine Taverne haben?

Ich bin nicht nur königliche Gauklerin und Wirtin, ich bin auch… na, finde es selbst heraus!

Du kannst mich an meinen Gauklerlatschen erkennen, ich trage sie immer *lächel

Einen lieben Gruß von

Eurer Samyaa

Was ich täglich in der Stadt Carima erlebe, kannst Du HIER nachlesen.

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