Das Dunkle Schloss ~ Geheimnisumwittert

Zutritt auf eigene Gefahr

„Ihr werdet mich nicht los. Hier bleibe ich. Es ist mein Land, seit Jahrhunderten“ . Dann legt er, Graf Melchar Ismailescu, sich zur Ruhe in seinem wohlversteckten Sarg. Die Gedanken an seine Familie, besonders seinen Sohn, der aus einer Zeit stammte in der er nicht nur ans Essen dachte, ließen ihn den Lärm des aufgescheuchten Mobs gar nicht richtig wahrnehmen.

„Er ist weg, verschwunden, nicht zu finden“. Man suchte überall, kehrte das Unterste zu Oberst, der Graf blieb verschwunden. Man beschloss das Schloss bis auf die Grundmauern zu schleifen. Er blieb nicht auffindbar. Vielleicht hätte man die Grundmauern auch abtragen sollen……

Hunger trieb ihn schließlich dazu seinen Sarg zu verlassen. Er wusste, es war zu früh um an die Oberfläche zurückzukehren, aber der Hunger…. Er lernte, eine Ratte zu fangen die sich in sein Gewölbe verirrte, war schwieriger als eine Jungfrau rum zu kriegen. Deprimiert, aber auf eine bessere Zukunft hoffend, hielt er sich mit Kleintieren, Spinnen und anderen Insekten am leben. So lebte er Jahr um Jahr, niemals sein Gewölbe verlassend.

Eckarius breitete die Decke auf dem Treppenaufgang des neu erbauten Schlosses aus. Aoiffe, seine Versprochene, bereitete aus den mitgebrachten Speisen und Getränken auf der Decke die ein gutes Mahl. Er war zufrieden bei dem Neuaufbau des Schlosses eine Arbeit gefunden zu haben. Die sehr gute Bezahlung ermöglicht ihm in Bälde seine geliebte Aoiffe, verträumt sieht er sie an, zu heiraten. Da nahm er den eigenartigen, fremden Bauherrn gern in Kauf. Sie errichteten das neue Gebäude auf den Grundmauern des alten Schlosses, sie waren noch stabil genug. Während der Arbeiten geschahen seltsame Dinge. Arbeiter verschwanden, wurden nie mehr gesehen. Sie werden wohl nach Hause zu ihren Familien zurückgekehrt sein, sagten die Bauleiter. Aber hinter vorgehaltener Hand erzählte man sich etwas anderes. Es herrschte eine eigenartige Stimmung an der Baustelle, kalt, unfreundlich, ja unheimlich. Man war froh, abends nach getaner Arbeit wieder nach Hause zu kommen.

Nach 4 Jahren war alles vollendet. Und der Fremde Herr kehrte nach Transschlawinien zurück. Unbemerkt wie er gekommen war.

Hungrig erwachte er, schon lange gab es hier unten keine Lebewesen mehr. Dann hörte er den Lärm, Stimmen, Lachen. Menschen, in der Nähe. Sofort erwachte die Gier in ihm. So lange nur Kleingetier und Insekten. Er konnte sich kaum zügeln, sofort hinaus zu stürmen. Ungeduldig wartete er die Nacht ab, durch den geheimen Gang verließ er seine Zuflucht.

Ein trunkener Bauarbeiter war das erste Opfer. Schnell, ohne etwas zu merken wurde er zum Festmahl für den Grafen. Als er sich umblickte bemerkte er den Neubau des Schlosses, seines Schlosses. Gesättigt und zufrieden kehrte er in seine Gruft zurück, wissend, dass seine telepathischen Anweisungen das Schloss neu zu errichten, von seinem Sohn verstanden wurde. Aber auch wissend, dass er es nicht übertreiben und überstürzen dürfe, bis das Schloss wieder von den Seinen bewohnt ist.

Aoiffe betrachtete die in der Dämmerung aufziehenden Sterne. Sie liebte den Blick von hier über den verwilderten, menschenleeren Park. Eng in seine Arme gekuschelt macht ihr auch das hier stets spürbare Unbehagen nichts aus. Der am Horizont aufsteigende Vollmond schickte sein fahles Licht über das ganze Land. Er müsse mal schnell wohin, er sei gleich zurück teilte Eckarius seiner über alles Geliebten mit und verließ sie für nur kurze Zeit.

Das Dunkle Schloss

Als er zurückkehren wollte, ließ ihn das heulen eines Wolfes erschauern, Nanu, dachte er, hier gibts doch gar keine. Mit schnellen Schritten wollte er dem Schloss zu eilen. Der Mond, er änderte seine Farbe. Es wurde dunkler, die fahle Blässe des Lichtes ging in einen Rotton über, bis er schließlich in einem unheimlichen Blutrot die Gegend beleuchtete. Aoiffe, dachte er, sie wird sich ängstigen. Er rannte zum Treppenaufgang, wo sie vor kurzem noch vergnügt gegessen und getrunken hatten.

Der Ort war leer. Sie war nicht da. Laut ihren Namen rufend, hoffte er auf ihre Rückkehr. Doch keine Antwort. Sie blieb verschwunden. Er suchte die Gegend ab, das Licht des Mondes hellte sich wieder auf, er fand nichts. Seinen Versuchen in das Schloss zu gelangen gebot das neue Tor des Schlosses einhalt.

Verzweifelt rannte er in die nahe Stadt um Hilfe bei der Wache zu holen. Eilig wurde ein Suchtrupp organisiert der sich umgehend zum Schloss begab. Den vereinten Kräften gelang es schnell das Tor aufzubrechen. Man fand nichts. Keine Spur deutete auf den Verbleib Aoiffe´s hin. Tagelang verweilte Eckarius am Schloss, immer in der Hoffnung, seine Geliebte zu finden. Doch sie blieb verschwunden.

Einige Wochen später verließ ein gebrochener Mann die Stadt, auch von ihm hörte man nie wieder etwas.

Das ist die Geschichte, die sich um das Dunkle Schloss der Stadt Carima rankt. Es war nicht immer so dunkel, doch die Leute erzählen sich hinter vorgehaltener Hand, dass das Gebäude sich sehr schnell schwarz verfärbte, als sei etwas in ihm, was dem Tag das Licht nähme.

Ob die Geschichte sich so zugetragen hat?                        Wir wissen es nicht!

Was aus Aoiffe und Eckarius geworden ist?                      Wir wissen es nicht!

Warum das Schloss bis heute nicht bezogen wurde?        Wir wissen es nicht!

Vielleicht könnt Ihr, Fremder, uns helfen, die Geheimnisse des Schlosses zu entdecken. Aber bedenkt, Betreten auf eigene Gefahr, vielleicht stimmt die Geschichte ja doch………..

 

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